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© E. Meyer-Renschhausen (2007)


Klage eines Privatdozenten

Auf dem Sommer-Colloquium der Deutschen Gesellschaft für Philosophie in Jena wurde diskutiert, warum es jetzt sinnvoll ist, dass ein Privatdozent in Bayern, Günter Fröhlich, mit Hilfe des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) den Freistaat verklagt, weil er die Verpflichtung zu unentgeltlicher Titellehre für nicht (mehr)rechtmäßig hält. Der DHV mit Sitz in Bonn, dominiert von Juristen, unterstützt diese Klage, weil seinen Rechtsgelehrten klar ist, dass die entsprechende Klage von Richard Faber (von der Freien Universität Berlin), die 1994 scheiterte, heute von den Gerichten mit Rücksicht auf europäisches Arbeitsrecht in der Europäischen Union anders beurteilt werden muss.

Dazu hieß es in der taz – die tageszeitung am 26.12.2016 in einem Artikel „Der beherzte Philosoph“ links von Sabine Seifert unter anderem: „Dass er im Café jobbt, ist Günter Fröhlich nicht peinlich. Aber dass ein Kultusminister glaubt, Privatdozenten unterrichteten aus bloßer „Freude an der Lehre“, hat den Philosophen empört. Schließlich gilt der Mindestlohn. „Die müssen mir recht geben“, sagt er. „Ich bin da ganz zuversichtlich.“… Günter Fröhlich… hat das Land Bayern verklagt, weil er mindestens zwei Semesterwochenstunden im Jahr unterrichten muss, wenn er seine Lehrberechtigung behalten will. Unentgeltlich. Das findet er im Zeitalter des Mindestlohns erstens „unsittlich“ und zweitens „unzeitgemäß“. Im braunen Parka steht Günter Fröhlich an der „Steinernen Brücke“, die einst die einzige Verbindung über die Donau zwischen Wien und Ulm war… Günter Fröhlich mag Regensburg. „Ein Traum von einer Stadt“, sagt der 47-Jährige, der kenntnisreich durch die Stadt führt. Kapellen und Kirchen, „Judensau“ und Eselsturm, Domschatz und die vielen Renaissance- und Fachwerkhäuser, keines gleicht dem anderen. Regensburg war eine römische Handelsniederlassung, katholisch geprägt; nur die Universität ist jung, 1962 gegründet. Hier hat sich Fröhlich 2005 mit einer Arbeit über „Die Einheitlichkeit der ethischen Begründungen bei Immanuel Kant, Max Scheler und Edmund Husserl“ habilitiert. Seither durfte er sich Privatdozent nennen, ein Titel für habilitierte Wissenschaftler ohne Lehrstuhl. Eine typische Universitätskarriere: Fröhlich war wissenschaftliche Hilfskraft, Mitarbeiter, Assistent, Gastprofessor an der Universität Ulm, wo er heute noch einen Lehrauftrag hat. Doch dass er dort unterrichtet, zählt nicht für die Titellehre: Laut Bayerischem Hochschulpersonalgesetz sind Privatdozenten oder „apl. Prof.“ dazu angehalten, mindestens einen Kurs von zwei Wochenstunden im Jahr zu geben, und zwar an der Universität, an der sie sich habilitiert haben. Sonst verliert der Betreffende seine Lehrberechtigung, und dann hätte Fröhlich gar nicht außerplanmäßiger Professor werden können. Und vergäbe jede Chance, später einmal ordentlicher Professor mit einem ordentlichen Gehalt zu werden. Mit 47 kein unbescheidener Wunsch. Günter Fröhlich hat im Dezember 2014 beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof (BVGH) Popularklage eingereicht – dort kann jeder klagen, der sich in einem durch die Landesverfassung gewährten Grundrecht verletzt sieht. „Ein Entscheidungstermin steht noch nicht fest“, heißt es beim BVGH. Ob es zu einer Verhandlung kommt oder das Urteil schriftlich erfolgt, ist ebenfalls offen. Fröhlich hofft auf eine Anhörung… Weil er gern auch mit Leuten redet, arbeitet er an zwei Tagen in der Woche im Café Drei Mohren, unweit seiner Wohnung… Das Drei Mohren ist nicht groß, ein Zwischending zwischen Café und Weinbar, mit alten Fliesen und einem stilvollen Tresen, in dessen Auslagen Kuchen und Quiches ruhen. Im Regal liegen Exemplare von Fröhlichs neuem Buch, „Der Affe stammt vom Menschen ab. Philosophische Etüden über unsere Vorurteile“. Wer will, kann es kaufen und mit dem Autor ins Gespräch kommen. „Wie geht’s, Günter?“, fragt ein Stammgast, der neben der Buchauslage sitzt. „Ich schlage mich so durch.“ Peinlich ist das dem Günter nicht, dass er hier arbeitet. Warum auch? Neben Philosophie hat er Geschichte studiert, mit einem Schwerpunkt auf Verfassungsgeschichte. Der Verfassungsausschuss des Landtags hat sich in seiner Stellungnahme Fröhlichs Argumentation freilich nicht angeschlossen. Dort heißt es: „Rechtlich ist die Titellehre nicht als Pflicht ausgestaltet, sondern als Obliegenheit.“ Eine Art (un)freiwillige Selbstverpflichtung zur Lehre – das Land kann sie nicht einfordern. Es darf aber dem, der ihr nicht nachkommt, das Recht aberkennen, als Privatdozent oder außerplanmäßiger Professor zu unterrichten. „In der Realität ist es damit doch Pflicht“, meint Fröhlich. „Ich halte das für Erpressung.“ Fröhlichs Engagement in eigener Sache begann, als er eines Tages im Drei Mohren dem Regensburger Landtagsabgeordneten Franz Rieger von der CSU seine Situation schilderte. Der versprach, beim Bayerischen Kultusminister vorzusprechen – und fand dort kein Verständnis. „Es besteht für niemanden – nicht einmal mittelbar – ein irgendwie gearteter Druck, Privatdozent zu bleiben“, schrieb Kultusminister Ludwig Spaenle daraufhin an den „lieben Franz“. Die Privatdozentur sei in erster Linie „für Menschen bestimmt, die Freude an der Lehre haben und diese gerne neben ihrem eigentlichen Broterwerb betreiben“. Fröhlich hat Spaß an der Lehre und möchte diese als Broterwerb betreiben. „Da war ich schon sauer“, sagt er – und beschloss zu klagen. Seine Begründung hat er allein verfasst, sich vorher beraten lassen. Er sieht in der Regelung ein „Berufzugangshindernis“ und damit seine Handlungsfreiheit und den Gleichheitsgrundsatz verletzt. Etwa 200 Privatdozenten gibt es allein an der Uni Regensburg, schätzt Fröhlich. Bundesweit dürften es, sagt Sascha Sven Noack, Justiziar beim Deutschen Hochschulverband, zwischen 5.000 und 7.000 sein, die meisten in den Geisteswissenschaften. „Eine Statistik gibt es nicht.“ Noack ist dankbar dafür, dass Fröhlich vor Gericht zieht. Seit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 1994 habe sich das niemand mehr getraut. Damals hatten zwei Berliner Privatdozenten geklagt; das Gericht entschied, eine Semesterwochenstunde unentgeltliche Lehre sei zumutbar. Das Urteil von 1994 sei von der Realität „überholt“, meint Noack. Seit der Bologna-Reform wurde das Unterrichtssoll für Privatdozenten überall auf zwei Semesterwochenstunden hoch gesetzt, in Baden-Württemberg sogar auf vier. Bei zwei Wochenstunden bleibt es ohnehin nicht, rechnet Günter Fröhlich vor: Vorlesungen vor- und nachbereiten, Hausarbeiten betreuen. Er muss sogar Prüfungen abnehmen. „Da hört es wirklich auf.“ In diesem Sommersemester sei er auf 220 Stunden gekommen, sagt Fröhlich – und er hat nicht mal Anspruch auf ein Büro. Die GEW Bayern hat eine Solidaritätserklärung herausgegeben. Die Titellehre zementiere „prekäre Beschäftigungsverhältnisse an den Hochschulen“ und betreibe „eine vorsätzliche Dualisierung des wissenschaftlichen Arbeitsmarktes“. Kollegen klopfen Fröhlich zustimmend auf die Schulter, aber niemand auf der Leitungsebene „wagt es einfach mal, einen Privatdozenten zu bezahlen und damit eine Klage zu provozieren“, sagt Fröhlich. Der Regelsatz bei Lehraufträgen beträgt zwischen 30 und 70 Euro, erklärt Sascha Sven Noack vom Hochschulverband in Bonn. Das sei wahrlich nicht viel Geld… Fröhlich sieht sich als „praktischer Philosoph“, er hat im Bereich der Medizinethik an der Uniklinik Regensburg gearbeitet, eine Mediationsausbildung absolviert. Acht bis fünfzehn Bewerbungen pro Jahr schickt er raus, schätzt Fröhlich – bei 52 liegt die Altersgrenze für eine Verbeamtung in Bayern. „Das ist politisch alles so gewollt“, sagt er, und seine Stimme wird zum ersten Mal erregter. Doch selbst wenn der Bayerische Verfassungsgerichtshof zu seinen Gunsten entscheidet, tritt damit nicht eine Neuregelung in Kraft. Die muss Bayern dann ausarbeiten…“

Es ist erfreulich, dass die Presse, die seit über 16 Jahren bzw. sogar 26 Jahren regelmäßig auf die neue „Dozentenfrage“ aufmerksam gemacht wurde, sich des Themas endlich annimmt. Wenn auch leider nach wie vor nicht besonders reflektiert oder kritisch. Denn nach wie vor interessieren sich leider sämtliche Parteien für die Universitäten nicht und setzen daher in der Regel ungeeignete und an den Unis uninteressierte Personen als Kultus- oder Wissenschaftsminister ein, wie es einem Artikel im Berliner Tagesspiegel einige Tage vorher hieß.


Stellungnahme zur Lage der PrivatdozentInnen beim Germanistentag 2016 in Bayreuth

Im Folgenden soll die Situation der PrivatdozentInnen (PD) beschrieben werden, die als ein Symptom für den im deutschen Universitätssystem vorherrschenden und zunehmenden Verschleiß von Qualifikationen und menschlichen Ressourcen gesehen werden muss. Die Lage der Privatdozenten und Privatdozentinnen ist in Deutschland prekär: Sie haben sich durch eine sehr lange Studien-, Ausbildungs- und oft auch Arbeitszeit für eine Professur qualifiziert. Nach Abschluss der Habilitation – also meist mit ungefähr 40 Jahren – sind sie auf der Suche nach einer Professur, dabei meist ohne Einkünfte, denn die Stelle oder das Stipendium sind dann in der Regel ausgelaufen. Diese Suche kann sich bekanntlich lange hinziehen – Durchschnittsdauer bis zum Erreichen einer Professur ist m. W. 6 Jahre, es kann aber gut auch 10 Jahre dauern. PD hangeln sich daher - neben den zeitaufwendigen Bewerbungen - von Projektstelle zu Gastprofessur zu Stipendium zu Vertretung, oftmals unterbrochen von Phasen der Arbeitslosigkeit - dabei vergeht die Zeit. Zwar sind sie einerseits hochausgebildete Wissenschaftler, die softskills wie Durchhaltekraft und die Fähigkeit zum Networking unter Beweis gestellt haben, andererseits sind sie aber aufgrund ihres Alters und der Spezialisierung für keine andere berufliche Laufbahn mehr geeignet - wobei auch gesagt werden muss, dass dieses Problem vor allem Geistes- und Sozialwissenschaftler betrifft. PrivatdozentInnen befinden sich daher in einer grundsätzlich prekären Lebenssituation und leben in einem andauernden Durchgangsstadium – so die Formulierung in dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts von 1994. Sie forschen teilweise sogar im Hartz 4-Modus - und dies alles immer im Wissen darum, dass sie letztlich auf die Altersarmut zusteuern. Zu dieser schwierigen Situation trägt nicht zuletzt die sogenannte Titellehre bei, also die Tatsache, dass die PrivatdozentInnen, so Bernhard Waldenfels, zu „kostenloser Lehre erpresst werden“, d. h. gezwungen sind, ohne Bezahlung zu lehren. Bekommen sie vor Abschluss der Habilitation noch bezahlte Lehraufträge, fallen sie mit diesem letzten Qualifikationsschritt hingegen in den Stand eines ökonomisch auf null gestellten Dienstleistungsproletariats, einer Spezies, die selbst innerhalb von Marx’ Systematik der ökonomischen Unterdrückung gesellschaftlicher Gruppen ihresgleichen sucht. Rechtlich gesehen entspricht dem in der Tat ein grotesker Zwitterzustand: Ein PD ist einerseits Mitglied der Hochschullehrerschaft, gleichzeitig aber ausgeschlossen aus der Gruppe derer, die für ihre Lehre bezahlt werden. Einen derart beschämenden und skandalösen Umgang mit qualifizierten Wissenschaftlern gibt es in keinem anderen Land der Welt.

Es muss außerdem darauf hingewiesen werden, dass in allen bisherigen universitären Reformansätzen die Situation der PD nicht berücksichtigt wird. Es wird somit ignoriert, dass es einerseits bereits eine relativ große Zahl an Privatdozenten und Privatdozentinnen gibt – nach Schätzung des DHV zwischen 5000 und 7000 - und dass es andererseits trotz aller tenure-track- Optionen weiterhin viele geben wird; denn die Zahl der jährlichen Habilitationen liegt gleichbleibend bei ungefähr 1600.

II. Für das in Deutschland besonders gravierende Missverhältnis zwischen Anzahl der PD und freien Professorenstellen sind strukturell vor allem zwei Gründe zu nennen: Erstens wurde die Anzahl der Professuren in den letzten zwanzig Jahren immer weiter reduziert und zweitens habilitieren sich in Deutschland besonders viele Wissenschaftler, weil es kaum andere Möglichkeiten gibt, als Wissenschaftler tätig zu sein. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Gäbe es mehr Dauerstellen im Mittelbau, dann würden sich zum einen weniger Nachwuchskräfte habilitieren und zum anderen könnten Privatdozenten in den Mittelbau zurückkehren, für den Fall, dass sie keine Professur finden, wie dies z. B. in Frankreich möglich ist.

III. Für eine Verbesserung der Lage der Privatdozenten wäre daher wenigstens dreierlei nötig: 1) Die Wieder-Einführung von Dauerstellen im Mittelbau, 2) eine angemessene Bezahlung der Titellehre – dies wären nach einer Berechnung von Ulrich Obendiek ungefähr 3600 Euro pro Seminar. Wenn diese Forderung nicht durchsetzbar ist, sollte die Titellehre zumindest wie ein Lehrauftrag bezahlt werden. Das würde nach Berechnung des DHV um die 5 Millionen Euro kosten, was im Ganzen gesehen keine sehr große Summe ist. Dieses Geld muss zwar von Seiten der Politik zusätzlich bereit gestellt werden, aber einfordern müssen es zunächst aktiv die Universitäten, statt derart bereitwillig wie bisher von kostenlosen Lehrkräften zu profitieren. 3) Die Einrichtung eines z. B. dreijährigen Gastprofessuren-Programms für PDs - vergleichbar den Gastdozenturen, die durch das Programm zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen gefördert wurden – wäre eine Möglichkeit, die Qualifikation der Privatdozenten und Privatdozentinnen sinnvoll zu nutzen und zugleich die für viele drohende Altersarmut zumindest ansatzweise zu mindern. Auch für eine solche Option sollten sich die Universitäten aktiv einsetzen. In den Verhandlungen über die Gelder, die aus dem Masterplan Qualitätsoffensive Lehre stammen, besteht durchaus ein gewisser Spielraum, den die Universitäten bisher leider ebenfalls nicht zugunsten der PDs genützt haben.

Ulrike Stamm

Rückblick auf die Mitgliederversamlung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bamburg (9.2016)

Auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bamberg Ende September 2016 wurde zur Frage des Umgangs mit dem Mittelbau diskutiert. Frage war: soll der Mittelbau im Vorstand der DGS explizit vertreten sein, wäre eine Art „Quotenregelung“ sinnvoll? Interessant war, dass manche Jüngere nicht wussten, dass sie noch gar nicht so sehr lange überhaupt Mitglied werden dürfen, während manche Hochschullehrer die Debatte als Angriff auf die Prof. missinterpretierten, wahrscheinlich wohl deshalb, weil sie auf die Lage der anderen bisher keine Gedanken verschwendet hatten. Ein sicherlich nicht beabsichtigter „Ausschluss“ ist der DGS leider unwillentlich doch unterlaufen. In der auf dem Soziologiekongress „Geschlossene Gesellschaften“ in Bamberg am 28.9. vorgestellten Statistik der Mitglieder der DGS fehlt die Kategorie der Privatdozenten und Privatdozentinnen (PD). Sicherlich ein Versehen. Es ist schwer, sich vorzustellen, dass „ausgewachsene“ PD nach im Durchschnitt etwa zwölf bis 15 Jahren forschenden Arbeitens für die Erstellung einer Dissertation und eines „Second Book“ ausgerechnet bei der DGS ernsthaft allein unter „Arbeitssuchend“ oder unter „Mittelbau“ subsumiert werden. Nach dem Berliner Hochschulgesetz gehören die PD nicht zum Mittelbau, sondern zu der Hochschullehrerschaft. Sie sind zwar keine Universitätsangehörigen, aber doch Mitglieder ihrer jeweiligen Universität. Das ist eigentlich in den meisten anderen Bundesländern ebenso, und ganz besonders dort, wo es den PD gelungen ist, im Gesetz wieder explizit genannt zu werden bzw. auch gewisse Rechte wieder zurück zu erhalten. Die Gesetzesnovelle von 2002, das Ergebnis einer neoliberalen „Reform von oben“, vorbereitet von der Bertelsmann-Stiftung resp. deren Forschungseinrichtung „CHE“, die man heute an den meisten Universitäten wieder sehr sehr kritisch sieht, hatte die PD – und zwar wohl durchaus in böser Absicht (Stichwort „Verschrottung“ !) - sozusagen einfach „ausgelassen“. Infolge der gleichzeitig anlaufenden „Sparprogramme“ (allein die Soziologie verlor u.W. ca. 50 % ihrer Stellen, anderen Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Fächern ging es ähnlich ) verschwanden die Chancen auf Anstellung für viele PD ins Unendliche, während die Universitäten sie gleichzeitig ungeniert als kostenloses Lehrpersonal einsetzten. (Zumal die Abkehr vom alten Abrechnungswesen, den PD in kleinkrämerischer Manier etwa Kopier-Kosten aufbürdet, statt sie für Prüfungs- und Betreu-ungsleistungen angemessen zu entgelten.) Einem derartigen Umgang mit anerkannten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen resp. unbezahlten HochschullehrerInnen, hätten zumindest die Ethikkommissionen der verschiedenen Fachgesellschaften eigentlich schon lange widersprechen müssen.


Heute in der FAZ (9.9.2016)

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Philosophie

Bericht über den Workshop „Zukunft der Titellehre“, Universität Jena

Die Deutsche Gesellschaft für Philosophie (DGPhil) e.V. lud am Donnerstag, den 19.5.2016, zu einem Workshop zur „Zukunft der Titellehre“ an der Universität Jena ein, der als „Vernetzungstreffen gegen unbezahlte Arbeit“ intendiert war. Dort wurde u.a. in einem Referat des Juristen Sascha Sven Noack, Justiziar beim Deutschen Hochschulverband (DHV), festgestellt, dass das einzige Urteil, das zur Frage der Titellehre je gesprochen worden, jenes von 1994 sei, also jenes, das auf Klage einer Gruppe um den Berliner Privatdozenten und Soziologen Richard Faber zustande kam. Damals behauptete das Bundesverwaltungsgericht in einem mager begründeten Urteil, die Nichtbezahlung der Titellehre wäre rechtens. Anschließend habe es – so der Referent - dazu verblüffend wenig wissenschaftliche oder juristische Auseinandersetzungen gegeben. Tatsächlich sei heute bei genauerer Betrachtung jedoch außerordentlich fraglich, ob man einem PD oder apl. Prof. als Hochschullehrer eine unbezahlte Lehre aufzwingen dürfe und ob das nicht vielmehr ein unlauterer Eingriff in seine Berufsfreiheit sei. Damals suggerierte das Bundesverwaltungsgericht, dass das Bundesverfassungsgericht festgestellt habe, dass die Nichtbezahlung der Titellehre mit dem Grundgesetz vereinbar wäre. Tatsächlich habe das Bundesverfassungsgericht sich zu dieser Frage jedoch niemals geäußert. Besonders fadenscheinig sei die Begründung, dass die PD die unbezahlte Titellehre zu erbringen hätten zwecks Aufrechterhaltung ihrer Lehrfähigkeit, da sie meistenteils anderswo unterrichteten und man andererseits heute Gastdozenten von Übersee Derartiges keineswegs abverlange. Diese kämen oft ohne einen Funken Lehrpraxis an die Unis. Ähnlich kämen Naturwissenschaftler oder Juristen i.d.R. ohne Habilitation oder unbezahlte Titellehre zu ihren Berufungen oder Stellen. Zudem wäre angesichts der Tatsache, dass wahrscheinlich ein erheblicher Teil der Titellehre in die reguläre BA- oder MA-Lehre eingebunden wäre, die Grenze des Statthaften deutlich überschritten.

Auf der Tagung wurde ein Katalog von Forderungen an die Kollegen, Fachbereiche und Institute erarbeitet, um so die Arbeit der PD und apl. Profs sichtbarer zu machen und ihrer Unbezahltheit entgegen zu arbeiten. Dieses Paper soll demnächst auf der HP der DGPhil publiziert werden.

Miscelle

Vergessen wir nicht, dass auch die sogenannte „Bologna-Reform“ an den Universitäten, gegen die sich gegenwärtig die Studierenden und Lehrenden in vielen Länder Europas in so großer Zahl zur Wehr setzen, weil sie so gut wie alles zerstört, was die Qualität eines Studiums ausmacht ­ nämlich die Gleichheit aller Studierenden; die Möglichkeit mehr als nur »Bascis« zu erlernen; die Möglichkeit mit höheren Semestern in Kontakt zu kommen: die Freiheit, eigene Interesse auszubilden; die Verbindung von Forschung und Lehre-, dass auch diese Reform von einer neoliberalen Politik, die gesellschaftliche Ressourcen privatisieren will, von Anfang an im Namen angeblich Schwacher durchgeführt wurde: nämlich im Namen der Studierenden aus den sogenannten »bildungsfernen Schichten«, die angeblich von zuviel Freiheit an der Universität überfordert wären und denen man darum zu ihrem eigen Besten alles vorenthalten müsse, was den Aufenthalt an einer Universität lohnend ­ und das dort erworbene Wissen gesellschaftlich nützlich macht. Klarerweise hat man diese angeblich bildungsfernen Schwachen gerade durch alle in ihrem Namen getroffenen Maßnamen letztlich jeglicher Möglichkeit beraubt, an der Universität so etwas wie universitäre Bildung jemals auch nur kennen zu lernen ­ ein erstaunlicher Trick neoliberaler Dialektik!„ Robert Pfaller, Wofür es sich zu leben lohnt und was uns das vergessen läßt: Über-Ich, Narzissmus und Beuteverzicht, in: Christoph Menke, Julia Rebentisch, Hrsg., Kreation und Depression. Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus, Berlin 2010, S.191-207, S. 203/204

Forderung der Initiative

Siehe hierzu auch die Honorartabelle https://prekaereswissen.wordpress.com/honorartabelle-prekare-beschaftigung/

Die Initiative Berliner Privatdozenten fordert die Politik und die Kultus-Ministerien auf, PD und apl. Prof als freischaffende Hochschullehrer anzuerkennen und Mittel bereitzustellen, um den aktiv Lehrenden und Prüfenden unter ihnen auf Antrag eine den Lebensunterhalt sichernde Bezahlung der Titellehre (ca. 1300 € im Monat) gewähren zu können, sowie sich zudem für die Einrichtung von mehrjährigen Gastprofessuren einzusetzen, die ausdrücklich für PD ausgeschrieben werden.

Da seit dem Hochschulgesetz von 2002 die Zahl der Professuren im Bereich bestimmter Fächer (bes. Geistes- und Sozialwissenschaften, Künste resp. „Humanities“) stark zurückgegangen ist, könnten so Qualifikation und Unterrichtserfahrungen der PD viel produktiver als bisher genutzt werden. Auf diese Weise käme auch jene Vielfalt von Forschung und Lehre zurück an die Universitäten, die die Studierenden begeistern kann und größere Motivation möglich macht.

Es ist festzuhalten, dass die seit 2002 verbreitete Vokabel „wissenschaftlicher Nachwuchs“ für die PD ebenso unangemessen ist wie früher die Vokabel „Fräulein“ für jüngere Damen. Sie dient einzig und allein dem Zweck, die Privatdozenten „unsichtbar“ zu machen, wie früher die Hausarbeit der Frauen, um sie so besser ausbooten resp. ausbeuten zu können.

Die momentane Kürzungspolitik gegenüber den Universitäten treibt die Universitäten dazu, ausgerechnet die heute sogenannten „Humanities“, also die für Bildung, Soziales und Gesellschaft besonders wichtigen Fächer, zusammen zu streichen oder gar abzuschaffen. Es ist festzuhalten, dass das nicht nur die (Allgemein-)Bildung und damit die Demokratie gefährdet, sondern zudem besonders auf Kosten des weiblichen Geschlechts geht, da sich Frauen nicht davon abhalten lassen, diese Fächer, auch wenn sie weniger Einkommen bringen, bevorzugt studieren und betreiben zu wollen.

Eine Politik, die Universitäten nicht mehr voll ausfinanziert, um sie zu veranlassen, sich „freischaffend“ um vermehrte Forschungszuwendungen zu kümmern, muss auf der anderen Seite auch den Wissenschaftlern ermöglichen, sich frei zu bewegen. Sie sollte daher die Existenz von freischaffenden (Überlebens-)Künstlern unter den unbestallten Hochschullehrern (apl. Prof und PD) anerkennen, indem sie diese entsprechend honoriert, und zudem die Dozentenstellen und Akademischer Rat-Stellen wieder einsetzen, wobei jene bspw. auch die Koordination von Forschungsanträgen übernehmen könnten.

Auf jeden Fall sollten die Universitäten aber mehr Geld erhalten und dieses Geld muss in die Lehre gehen und für die Hochschullehrer aller Altersgruppen eingesetzt werden. Angesichts der derzeitigen starren Struktur mit nur 9% Professoren ist es notwendig, die Universitäten zu veranlassen, vermehrt vernünftig bezahlte Stellen auf Zeit zu schaffen, entsprechend den „Dozenten“ in der ehemaligen DDR oder den Akademischen Ratstellen, die – nach amerikanischem Vorbild - auch für ältere PrivatdozentInnen offen sind. Lehrbeauftragte sollten auskömmlich bezahlt werden und PrivatdozentInnen, die es benötigen, wie erwähnt, nach dem Vorbild Österreichs eine Art Grundgehalt erhalten.

Angesichts der bereits eingetretenen Altersarmut vieler Privatdozentinnen und Privatdozenten ist es sinnvoll und notwendig, die PD, die es wollen und können, vermehrt zu angemessen bezahlten Gastdozenturen und Vertretungsprofessuren etc. heranzuziehen. Die Universitäten, Fachbereiche, Institute und Fachgesellschaften könnten „pools“ erstellen, um ihre PD jeweils bei (infolge Krankheit, Schwangerschaften oder Abwanderung) kurzfristig vakant werdenden Stellen schnell informieren zu können. Sie könnten zudem ab sofort sämtliche Prüfungsleistungen entgelten, dies auch rückwirkend.

Die Unis und Fachbereiche sollten zudem die Leistungen honorieren, die die PD mit ihren Publikationen und unentgeltlichen Beratungsleistungen etc. für die jeweiligen FB und Unis erbringen, indem sie die Homepages der PD aktuell halten. Sie sollten alle Lehrenden, auch die Privatdozenten jeden Semesters, zu einer Konferenz aller Lehrenden betreffs des künftigen Lehrbedarfs einladen und auf ihren FB- und Instituts-Homepages die PD als unbezahlte Hochschullehrer ebenso bekannt machen wie die fest angestellten.

Bologna und das Verfassungsgericht http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/bologna-system-kleine-reform-eines-grossen-irrtums-14236530.html

Dozent klagt den Freistaat Bayern http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/philosoph-guenter-froehlich-klagt-gegen-uni-regensburg-a-1087936.html

Liegt Streik in der Luft? ALLE RÄDER STEHEN STILL, WENN… Streik gegen die Bildungsmisere?

Die Beschäftigungsmisere in der Wissens- und Bildungsarbeit ist in aller Munde. Die Freien Bildner*innen werden schlecht bezahlt, die Uni-Mitarbeitenden haben mehrheitlich keine Beschäftigungsperspektive. Um hier etwas zu verändern, reicht Reden und Kritisieren nicht mehr. Ist Streik dann das Mittel der Wahl? Wir wollen die Möglichkeiten und Probleme von Streiks zu Verbesserung der Situation in der Wissensarbeit diskutieren. Wie konfliktfähig sind wir bei dem geringen Organisierungsgrad der Zielgruppe? Wem schadet der Streik eigentlich wirklich, wo doch so viele quasi Selbstunternehmer/innen in Soloselbständigkeit sind? Wie können Einbußen abgefedert werden? Was wären sektorübergreifende und auch gut mobilisierende Zielstellungen?

Dazu lädt das Netzwerk Prekäres Wissen zu einer offenen Runde von Diskussion und Erfahrungsautausch ein.

26.4.2016 | 19 Uhr Rosa-Luxemburg-Stiftung | Franz-Mehring-Platz 1 | Raum 120 (S-Ostbahnhof, U-Weberwiese)

Wir bitten zur Planung um Anmeldung per E-Mail (prekaeres.wissen@gmx.de)

http://prekaereswissen.wordpress.com

Prekäre Wissenschaft http://www.heise.de/tp/news/Wissenschaftler-als-prekaerer-Beruf-3152849.html

Stellungnahme der deutschen Gesellschaft für Soziologie zu Beschäftigungsverhältnissen in der Wissenschaft

Online-Petition abgeschlossen

Von wegen Frau Nahles!

Noch eine Ausnahme vom Mindestlohn, die nicht hinnehmbar ist: Prof. Peter Grottian schreibt http://privdoz.de/c/se?p=pd/vonwegen

Einladung zum Treffen der Lehrbeauftragten am OSI am 24.10.2014

Peter Grottian lädt zu einem Treffen ein: http://privdoz.de/c/se?p=pd/einladung

Offener Brief an Nevermann

Initiative Berliner Privatdozenten c/o PD Dr. E. Meyer-Renschhausen 10783 Berlin Bülowstr. 74 030 261 22 87 http://privdoz.de

Offener Brief an den Staatsekretär Dr. Nevermann, Berlin-Mitte weiterlesen


Resümee 2012

Neueste Literatur

Elisabeth Meyer-Renschhausen: Wozu noch promovieren? http://privdoz.de/c/se?swf=/ci/av/2012-4mere&v=p Berliner Debatte Initial,12 (2012) 4, 99-113

Elisabeth Meyer-Renschhausen, Die neue Bildungskatastrophe – Zur Lage der Universitäten und ihrer Wissenschaftlerinnen, in: Blätter für deutsche und internationale Politik Heft 11/2012, S. 111-120 http://privdoz.de/c/se?p=pd/meyer1211

Antwort des Petitionsausschusses auf unsere Petition

Antwort lesen oder download der Antwort des Petitionsausschusses als pdf: http://privdoz.de/c/se?p=pd/petit_senat

---> Und hier unsere Entgegnung auf das Ablehnungsschreiben (Die Entgegnung als pdf: http://privdoz.de/c/se?p=pd/petit_2)

Hier der Text unserer Petition: http://privdoz.de/c/se?p=pd/petition_privdozwik

Ergänzende Hinweise:

Exportweltmeister beim akademischen Überschuß: http://privdoz.de/c/se?p=pd/faz2011

Berufung ohne Beruf. Requiem auf einen Traum. (1./2.7.2012) http://privdoz.de/c/se?p=pd/b-o-b2012

Elisabeth Meyer-Renschhausen, Die neue Bildungskatastrophe. Zur Lage der Universitäten und ihrer Wissenschaftlerinnen, in: Blätter für deutsche und internationale Politik Heft 11/2012, S. 111-120

Zur Kritik europäischer Hochschulpolitik (Das ganze Buch gibts hier: http://www.springerlink.com/content/tm1lq6/)


Empfehlungen der Initiative

Kürzungsorgie der Berliner Universitäten

Forderungen nach einem Mindesthonorar

für Lehrkräfte der Integrationskurse http://www.mindesthonorar.de/

?

Promotionsrecht und Titellehre

Promotionsordnungen

BerlHg

Das neue BerlHg erlaubt die Trennung von Forschung und Lehre.

Privdoz in der Presse

Die Initiative hat einiges an Presseresonanzen erreichen können, eine Auswahlliste hier:

http://agiw.fak1.tu-berlin.de/Cricetus/SOzuC3/DiogDial.htm

Links zum Problemkreis Privatdozenten und Lehrbeauftragte

http://www.taz.de/Archiv-Suche/!5365533%26s=%26SuchRahmen=Print/


http://www.tagesspiegel.de/wissen/gastbeitrag-zu-wissenschaftsministern-hochschulpolitik-braucht-gewicht/19173554.htmlen


15.3.2012: Die Lehrbefugnis hat ausgedient (Remigius Bunia) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/umgang-mit-privatdozenten-die-lehrbefugnis-hat-ausgedient-11682809.html oder hier

1.3.2012: Sortiert den PD früher aus (Volker Rieble) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/debatte-um-privatdozenturen-sortiert-den-pd-frueher-aus-11665462.html

  • Dazu der Leserbrief an de FAZ von Elisabeth Meyer-Renschhausen weiterlesen

29.2.2012: Privatdozenten sind das Uni-Prekariat (Stefan Laue) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/akademischer-alltag-privatdozenten-sind-das-uni-prekariat-11657573.html

5.2.2012: Was vom Idealismus übrigblieb (Magnus Klaue) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/apologie-des-privatgelehrten-was-vom-idealismus-uebrig-blieb-1580812.html

14.3.2011: Die Ausbeutung der Bildungselite. Von Anuschka Guttzeit. Erschienen in „Der Spiegelfechter“ vom 14.3.2011 http://www.spiegelfechter.com/wordpress/5346/die-ausbeutung-der-bildungselite

25.1.2010: Alarmierender Abbau der Universitäten? http://privdoz.de/c/se?p=pd/emrabbau

Elisabeth Meyer-Renschhausen, Reinhard Blomert, Paul Kellermann und Heinz Steinert, Bericht zum Forum für Lehre zum Thema Hochschulpolitik“, in: Karl-Siegbert Rehberg, Hrsg., Die Natur der Gesellschaft - Tagungsband zum 33. Kongress der DGS in Kassel. Frankfurt a.M./New York 2008, Bd.2, S.1219-1235: Bericht zum Forum für Lehre zum Thema »Hochschulpolitik« http://privdoz.de/c/se?p=pd/hochschulpol

2009: Kann man die Aufklärung kommerzialisieren? http://privdoz.de/c/se?p=pd/aufkom

Die GEW sorgt sich um die Honorierung der Lehraufträge: http://www.heise.de/tp/artikel/34/34859/1.html

Lehre ohne Lohn (Die Zeit, 2003) http://www.zeit.de/2003/31/C-Privat-doz

Historisch

Das Elend der Priv.-Doz. 1980: weiterlesen

Die Gefährdung des wissenschaftlichen Nachwuchses (1923): weiterlesen

Zur Notlage der Privatdozenten (1920, Deutsche Allgemeine Zeitung): weiterlesen

Zum Verständnis

Privatdozent wird man durch Erfüllung von a) Promotion b) Habilitation, die Urkunde der Lehrbefähigung unterschreibt der Präsident der Hochschule, die Lehrbefugnis der Dekan des Fachbereichs an dem man lehren möchte. Mit diesen beiden Zetteln kann man nun völlig unabhängig von anderen seine Lehrveranstaltungen ankündigen und halten. Muß man aber nicht, da bekanntlich Forschung und Lehre frei sind, doch ist der Privatdozent verpflichtet, mindestens 1 Wochenstunde pro Semester zu lesen. Es genügt die Ankündigung, dazu ist er also verpflichtet, nicht aber zur Abhaltung oder Durchführung seiner (angekündigten) Veranstaltung. Dieses seltsame Verwirrspiel resultiert aus dem Gedanken, daß Forschung und Lehre frei sind, und anscheinend die Absicht die angekündigte Lehre auch durchzuführen, ausreicht. Will der Privatdozent, was er in Berlin nach vier Jahren Knechtschaft kann, sich zum apl. Prof. ernennen lassen, so muß er, letztes Gerichtsurteil bedenkend, die angekündigten Veranstaltungen auch durchgeführt haben. Merke: Wenn Du was von der Uni willst, muß Du dafür auch dienern. Leistungen in der Forschung und Publikationen zählen hierbei genauso wie der häufig verwendete Unsinn, daß das Lehrangebot auch das Spektum des Fachbereichs „sinnvoll“ ergänzen muß. Unliebsame Privdoz kann man so vor dem je eigenem Titelwahn bewahren (indem man ihnen keinen apl.-Prof. verleiht) Ich erspare mir hier eine Diskussion über den Begriff „sinnvoll“. Als Bezahlung erhält der Privdoz in vielen Bundesländern 0,0 Euro für seine Semesterwochenstunden. Setzt man dies in Beziehung zu dem vorher gesagten, wie auch zu Hörergeld etc., welches in den 1950/60 Jahren gezahlt wurde, so geht es den Privdoz heute schlechter als z. B. 1920.

apl. Prof-Bedingungen in Bayern (Mitteilung vom Deutschen Hochschulverband):

Bestellung zum außerplanmäßigen Professor nur mit Lehrnachweis (Pr.) Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof München führt in seinem Beschluss vom 14. November 2011 (Az.: 7 ZB 11.1686) aus, dass eine lediglich angebotene, aber nicht erbrachte Lehrtätigkeit eines Privatdozenten nicht für die Bestellung zum außerplanmäßigen Professor ausreicht. Der Privatdozent trug beim zuständigen Lehrstuhlinhaber sein Petitum auf Bestellung zum außerplanmäßigen Professor vor. Der Lehrstuhlinhaber lehnte es ab, dem Fakultätsrat die Einleitung des Verfahrens zu empfehlen, da der Privatdozent an der Hochschule nicht tatsächlich gelehrt hatte (sog. Titellehre). Die Klage des Privatdozenten auf Verpflichtung, das Verfahren zur Erteilung der außerplanmäßigen Professur einzuleiten, hatte keinen Erfolg. Das Gericht machte deutlich, dass eine Bestellung voraussetze, dass der Privatdozent seine sechsjährige Tätigkeit als Hochschullehrer im Umfang von mindestens zwei Semesterwochenstunden pro Semester nachweise. Da die vom Kläger angebotenen Lehrveranstaltungen mangels Interesse der Studierenden letztlich nicht durchgeführt worden seien, läge keine ausreichende Lehrtätigkeit vor. Das bloße Anbieten einer Veranstaltung stelle noch keine Tätigkeit als Hochschullehrer dar. (http://www.hochschulverband.de/cms1/newsletter-2012-10.html#c8311)

FU-Satire - mal anders

Die Bezeichnung "Privatdozent"

pro domo

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